Achtung bei Youtube-Kindervideos!

YouTube steht unter heftigem Beschuss: Immer wieder tauchen dort unangemessene und sogar gefährliche Inhalte auf. Die Zeitschrift „Wienerin“ ruft dazu auf, Kinder nicht mit YouTube alleine zu lassen.

„Das ist eine Warnung für alle, die mit kleinen Kindern zu tun haben oder Leute kennen, die mit Kindern zu tun haben.“ So fängt ein Facebook-Posting der Journalistin Corinna Milborn an, das inzwischen über 2500 Mal geteilt wurde.

Ihr deutlicher Appell: „LASST KINDER NIE MIT YOUTUBE ALLEIN.“ Der Hintergrund sind verstörende und sogar gewaltvolle Videos auf YouTube, die aufgrund des Algorithmus‘ nah an den Inhalten mit den Original-Comic-HeldInnen ausgespielt werden. Kinder könnten ganz einfach und schnell auf Videos kommen, in denen etwa Spiderman einer Prinzessin mit der Faust ins Gesicht schlägt oder die Comicfigur Peppa Pig Bleichmittel trinkt. 
 

 
Das „Erfolgsrezept“ der Videos: Die Charaktere sind vertraut, wie etwa Prinzessin Elsa aus Disneys „Die Eiskönigin“, die Bier trinkt – daher auch der Name Elsagate, unter dem das Phänomen im Internet bekannt wurde. Der Autor und Künstler James Bridle schrieb in einem Blogbeitrag über das Phänomen und sagte, „Jemand oder etwas“ nutze YouTube aus, um Kinder auf der Plattform systematisch zu ängstigen, traumatisieren und zu missbrauchen. 
 

 
Sein Beitrag war eine Reaktion auf einen New York Times-Artikel, der das Thema zuerst aufgriff. Kinder sind mittlerweile eine der größten Nutzergruppen von YouTube, vor zwei Jahren hat die Plattform mit YouTube Kids sogar eine eigene App veröffentlicht, in der ausschließlich altersgerechte Videos zu finden sein sollen. Doch nicht immer ist das harmlos: Immer wieder schaffen es Inhalte auf die Plattform und vor Kinderaugen, die sehr verstörend ist. 
 
Der Grund: Automatisierte Algorithmen, die den NutzerInnen Inhalte vorschlagen, die ihnen aufgrund von älteren Suchbegriffen gefallen könnten. Videos werden erst überprüft, wenn sie von Nutzern gemeldet werden. „YouTube Kids ist kein betreutes Angebot“, sagt der für Kinderinhalte verantwortliche YouTube-Manager Malik Ducard gegenüber der New York Times. Die Eltern müssten unangemessene Inhalte melden. 
 
Die verstörenden Videos aber haben Millionen Klicks und sind damit eine Geldmaschine. Was auch immer gerade für Kinder interessant ist, wird kopiert und mit den richtigen Schlagwörtern versehen. Anja Zimmermann von jugendschutz.net warnt in der „Augsburger Allgemeine“ davor, Kinder mit YouTube alleine zu lassen: „Begleitung bei der Mediennutzung ist immer notwendig und sinnvoll. Es kann immer mal passieren, dass ein Inhalt das Kind erschreckt. Da ist es besser, wenn Eltern in direkter Nähe sind, um eingreifen und das ganze abfedern zu können.“
 
Tipps für Eltern, wie sie mit YouTube umgehen sollen 
 
„Die Videos sind aber auch deshalb problematisch, weil die aktuellen Vorbilder und Helden vieler Kinder instrumentalisiert werden und so schädliche Inhalte an diese herangetragen werden“, schreibt Mimikama, ein Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch. Warum jemand verstörende Inhalte ins Netz stellt, ist jedoch unklar. Der Verein rät Eltern, folgende Punkte zu beachten: 
 
– Inhalte vordefinieren: „Wer YouTube über die Website nutzt und mit seinem Benutzerkonto eingeloggt ist, kann über die Einstellungen definieren, welche Inhalte angezeigt werden dürfen, indem beispielsweise Kanäle mit kindgerechten Inhalten abonniert und der eingeschränkte Modus aktiviert wird. Allerdings ist die volle Bandbreite an YouTube-Videos wieder zugänglich, sobald sich der Nutzer ausloggt.“
– Die Autoplay-Funktion kann deaktiviert werden. 
– YouTube Kids verwenden: „Eltern haben mit YouTube Kids mehr Kontrolle und die Videos sind sorgfältiger an das Alter der Kinder angepasst: Es können drei Altersstufen gewählt werden (Vorschule, Schulalter oder Kinder allgemein). Außerdem kann die Suchfunktion deaktiviert werden. Ist diese abgedreht, kann das Kind lediglich Videos am Homescreen ansehen.“ Doch auch hier gilt Vorsicht, wie im Artikel bereits erwähnt wurde.
– Immer mit Aufsicht: „Jüngere Kinder sollten generell nicht unbeaufsichtigt auf YouTube unterwegs sein, bei älteren Kindern sollten Eltern in Sicht- und Hörweite sein.“
– Unpassende Videos melden: Wer verstörende Inhalte meldet, sorgt dafür, dass diese nicht mehr ausgespielt werden. 

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