„Arme Superkinder“: Opfer der globalen Wirtschaft

Eltern und Kinder unter Druck: Die Familientherapeutin und Autorin Felicitas Römer beobachtet seit Jahren, dass Stress, Unsicherheit und Zukunftssorgen in Familien zunehmen. Doch warum eigentlich? Sind heutige Eltern etwa unfähig, ihre Kinder zu erziehen? Keineswegs, sagt sie. Im Gegenteil. Eltern wissen sehr genau, was von ihnen erwartet wird, und wollen alle Ansprüche möglichst gut erfüllen. Diese sind hoch und diffus. Denn Politik und Wirtschaft haben einen größeren Einfluss auf unser Familienleben, als wir gemeinhin annehmen. Ein Auszug aus ihrem aktuellen Buch „Arme Superkinder. Wie unsere Kinder der Wirtschaft geopfert werden“:

„Es geht heute schließlich um mehr, als „nur“ um eine gesunde Entwicklung oder um die Überlebensfähigkeit unserer Kinder. Es geht ja darum, sie so zu stärken, dass sie nicht untergehen um Wettbewerb um Erfolg, Geld und einen guten Job. So hat die Vorwerk Familienstudie 2006 ergeben, dass im ‚Sorgenkatalog der Eltern‘ die Ängste und die Schulbildung, Ausbildung und Berufsfindung der Kinder an erster Stelle stehen. … Eltern haben nachweislich mehr Angst, dass ihr Kind beruflich keinen Tritt fassen könnte, als dass ihm ein Unglück widerfahren könnte. Welch ein Druck lastet da auf den elterlichen Schultern! Und wie folgerichtig der Gedanke, das Kind so schnell wie möglich ‚stark‘ und ‚schlau‘ zu machen. …

Komprimiert und optimiert: In Siebenmeilenstiefeln durch die Kindheit

Es ist ein gesamtgesellschaftlicher Trend, der sich hier zeigt. Der Zugriff auf unsere Kinder durch Politik und Wirtschaft hat längst begonnen, und Staat und Gesellschaft nehmen Eltern in diesem Prozess hemmungslos in die Pflicht.

Kinder werden rar. Und umso kostbarer. Gesellschaft und Wirtschaft brauchen sie mehr denn je. Wer soll sonst unsere Renten bezahlen und unsere Volkswirtschaft retten? Deshalb wird das Kind, respektive seine Entwicklung und Leistungsfähigkeit, stärker in den gesellschaftlichen und politischen Blick genommen. Es rückt in den Fokus, wird permanent beäugt und kontrolliert, auf dass es sich möglichst gut entwickeln und die Erwartungen der Leistungsgesellschaft möglichst perfekt erfüllen möge.

Der demografische Wandel fordert seinen Tribut, die alternde Gesellschaft braucht junge Leistungsträger. Das Kölner Forschungsinstitut für Bildungs- Und Sozialökonomie fasst das Dilemma in einem Bericht „Zum volkswirtschaftlichen Schaden der unzureichenden vorschulischen Förderung in Deutschland“ folgendermaßen zusammen: ‚Dem steigenden Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitskräften steht ein tendenziell sinkendes Potenzial an Kinder und Jugendlichen gegenüber, die ‚quasi sui generis‘ diesen steigenden Anforderungen entsprechen dürften.‘ Eine der zwölf Schlussfolgerungen, die der Autor zieht: Investitionen in frühkindliche Bildung lohnen sich, auch pekuniär. Eine andere: „Insgesamt muss die Verweildauer im Bildungssystem erheblich verkürzt werden, ohne die Qualität zu verringern.“

Weil wir sparen müssen und damit Deutschlands Wirtschaft konkurrenzfähig bleiben kann, müssen sich unsere Kinder in ihrer Entwicklung gefälligst ein bisschen beeilen. So einfach ist das.  In diesem Prozess der Entwicklungsbeschleunigung und Leistungsmaximierung sind unsere Kinder schon längst Opfer der wirtschaftlichen Globalisierungskräfte geworden.“

Felicitas Römer: Arme Superkinder, Wie unsere Kinder der Wirtschaft geopfert werden, Beltz 2011

http://www.beltz.de/de/sachbuch/beltz-sachbuch/titel/arme-superkinder.html

Ritalin auch aus ethischer Sicht fragwürdig

Die vorschnelle Gabe von Ritalin bei “anstrengenden” Kindern ruft immer mehr KritikerInnen auf den Plan. Nun meldet sich auch die Nationale Ethik-Kommission der Schweiz NEK-CNE mit einer bemerkenswerten Stellungnahme zu Wort. Zitat: ”Der Konformitätsdruck, unter dem Kinder von Seiten der Eltern und Bildungseinrichtungen stehen, erzwingt einen Standard an Normalität, der die Toleranz gegenüber Kindlichkeit abnehmen lässt. Auch könnte sich die Vielfalt von Temperamenten und Lebensweisen reduzieren und damit letztlich das Recht des Kindes auf einen offenen Lebensweg gefährdet werden.

Aus ethischer Perspektive ist die Tatsache von Belang, dass die Diagnose beispielsweise eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms, eines oppositionellen Trotzverhaltens oder einer Angststörung eine fachliche Herausforderung darstellt, weil die Abgrenzung zwischen normalen und krankhaften kindlichen Verhaltensweisen schwierig zu ziehen ist. Ebenfalls ist anzunehmen, dass durch den Anstieg des Verbrauchs von Psychopharmaka sich auch die Standards verschieben bzw. verschoben haben, welche Verhaltensweisen eines Kindes oder Jugendlichen sozial verträglich und „normal“ sind – oder eben als krankhaft eingestuft werden. Da die Diagnosestellung auch von solchen gesellschaftlichen

Verschiebung der Werte

 Bewertungen sowie einem Interesse, dass sich Kinder im Kindergarten und in der Schule angepasst verhalten, beeinflusst ist, ist eine weitere Zunahme der Verschreibungen zu erwarten. Dieses Beispiel zeigt, dass die Abgrenzung zwischen Enhancement und Therapiebedürftigkeit kulturell und historisch variabel ist – und damit auch ethischer Reflexion bedarf.

Der Konsum pharmakologischer Mittel kann noch weitere Auswirkungen auf den Charakter haben, weil dem Kind vermittelt wird, dass es nur mit Hilfe solcher Mittel in sozial anerkannter Weise „funktioniert“. Insofern seine Charaktereigenschaften medikamentös angepasst und von Psychopharmaka abhängig gemacht werden, hat es Folgen für seine Persönlichkeitsbildung und sein Selbstwertgefühl und könnte die

Erhöhte Suchtanfälligkeit

Ausbildung von Mustern für Suchtverhalten begünstigen. Der Konformitätsdruck, unter dem Kinder von Seiten der Eltern und Bildungseinrichtungen stehen, erzwingt einen Standard an Normalität, der die Toleranz gegenüber Kindlichkeit abnehmen lässt. Auch könnte sich die Vielfalt von Temperamenten und Lebensweisen reduzieren und damit letztlich das Recht des Kindes auf einen offenen Lebensweg gefährdet werden. Die NEK-CNE plädiert dafür, die Lebensverhältnisse den Interessen und Bedürfnissen der Kinder anzupassen. Denn die Qualitäten der Kindheit, die nicht Aspekte des gesellschaftlichen Wettbewerbs und der Leistungsfähigkeit betreffen, sondern das Spielen, die Freundschaft und die erfolgsentlastete Muße ausmachen, könnten anderenfalls an Wertschätzung verlieren – und damit auch die Kindheit selbst.”

die gesamte Stellungnahme: http://www.bag.admin.ch/nek-cne/04229/04232/index.html?lang=de

“Jagt die Eltern zum Teufel!”

“Wir waren grob, laut und dreckig – und keiner hat unser Spiel mit der Realität verwechselt.“ Die Kindheitserinnerungen des Tullner Kinder- und Jugendpsychiaters Paulus Hochgatterer handeln von der Lust am Spielen. Als Kinder noch unendlich viel Zeit hatten, um ihre Phantasie in (Natur-)Räumen frei zu entfalten.

Lasst die Kinder spielen! Erzählt ihnen Geschichten! Hört ihnen zu! Mit klaren Botschaften begeisterte Festredner Primar Paulus Hochgatterer bei der Feier „Zehn Jahre Jugendpsychiatrie“ in der Linzer Landesnervenklinik.

„Der Job von Kindern ist es, die Eltern zum Teufel zu jagen. Der Job von Eltern ist es, sich darüber zu freuen. Und der Job von Kinder- und Jugendpsychiatern ist es, den Eltern zu erklären, dass das nicht so schlimm ist,“ so Hochgatterer.”

http://www.nachrichten.at/ratgeber/gesundheit/art114,759910

Wie kinderfreundlich sind wir? – Lob und Tadel

Wie kinderfreundlich ist Österreich? Beim 1. JAKO-O Familien-Kongress in Österreich nutzten viele Referenten in Bad Ischl die Gelegenheit, ihre Ideen für ein kinderfreundliches Österreich zu äußern. Der Diplom-Pädagoge Erwin Zinner betont, dass Eltern ihre Kinder oftmals überbehüten: „Durch diese Überbehütung fehlt Kindern aber oftmals die Chance kindgemäß das Leben zu erfahren.“ Der Schulleiter fordert, dass Kinder auch mal lautstark durch die Wohnung toben dürfen – ohne dass sich der Nachbar beschwert.

Auch Familientrainerin Monika Sturmair bemängelt, dass Kinder zu wenig Rückzugsmöglichkeiten haben und ihre Bedürfnisse nicht genügend akzeptiert werden. Ihr Appell deshalb: „Es braucht Orte, wo sich die Kinder austoben können, wo sie spielen können.“
„Die Kinderfreundlichkeit eines Landes erkenne ich daran, wie Eltern in Erziehungsfragen unterstützt werden“, stellt die Familientrainerin Monika Sturmair fest. Tatsächlich gibt es bereits verschiedene Angebote von der österreichischen Regierung und Institutionen, die Eltern in Österreich zu stärken. Wie wichtig dies ist, bemerkt die Diplom-Pädagogin und Familientherapeutin Eveline Auzinger in ihrem Statement: „Ich erlebe in meinem Berufsalltag viele erschöpfte alleinerziehende Mütter, die fast keine Hilfe haben.“

Großer Einsatz für Kinder
Dennoch ist für die Referenten des Familien-Kongresses klar: Die Regierung setzt sich sehr für die Kinder in Österreich ein. „Es gibt viel, wo Kinder beheimatet sein können, wo sie lernen können, wo sie heranwachsen können und wo sie behütet sind“, bekräftigt Zinner. Die Kinderwelt in Österreich sei in Ordnung und der bisher beschrittene Weg solle weiter gegangen werden.

Ideen für ein kinderfreundliches Land
Im Rahmen der Aktion „Ideen für ein kinderfreundliches Land“ tourt das JAKO-O Mobil durch Österreich sowie Deutschland und lässt Eltern sowie Kinder zu Wort kommen. Mit dieser Initiative setzt sich JAKO-O für Kinder und Familien ein. „So wollen wir die Meinung von Familien an die Öffentlichkeit bringen“. sagt JAKO‑O Chefin Bettina Peetz. Die Kurzfilme sind im Internet unter www.jako-o.at/mobil veröffentlicht.

Wie umarme ich einen Kaktus?

Beim diesjährigen Familien und Gesundheitstag der Gemeinde Roßleithen geht es um die Themen Pubertät (siehe Titel) und darum, wie die Paarbeziehung gepflegt werden kann. Ein toller Nachmittag für Eltern und Familien.

Am Samstag, 19.11.2011, 13.30 – 17.00 Uhr.

http://www.rossleithen.at/system/web/news.aspx?bezirkonr=0&detailonr=222547892&menuonr=219013710

“Plattform Elterngesundheit” gegründet

 

Prim. Klaus Vavrik, Präs. der Österr. Liga für Kinder- und Jugendgesundheit

Österreichs Kinder und Jugendliche leben alles andere als gesund, wie internationale Studien zeigen: Sie rauchen, trinken und sind übergewichtig. Die Liga für Kindergesundheit und die drei Bundeselternverbände wollen nicht mehr länger zusehen und haben gemeinsam die “Plattform Elterngesundheit” gegründet.

Das Angebot an Weiterbildungsangeboten für Eltern wächst stetig und wird zusehends unüberschaubarer. Vor allem für die Eltern selbst.
Die Plattform Elterngesundheit hat sich zum Ziel gesetzt, sich einen Überblick über die Elternbildungsangebote in Wien und Österreich zu verschaffen. Darauf aufbauend können Eltern hier Empfehlungen zur Elternweiterbildung mit ganz konkreten Kursangeboten finden.

Eine Internet-Plattform bietet die Möglichket zum Austausch über wichtige und interessante Themen.

http://www.elterngesundheit.at/

Am Freitag, 02. Dezember 2011, findet die Auftaktveranstaltung statt:

10:00 – 16:00 Uhr

Festsaal des BMG, Radetzkystraße 2, 1030 Wien

 Gesunde Eltern – Gesunde Kinder !?

Alle Kinder brauchen gesundheitsfördernde Eltern

Täglich erreichen uns neue Studien über den schlechten Gesundheitszustand und das Risikoverhalten unserer Kinder und Jugendlichen mit den sozialen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen für die Zukunft.

Nicht nur die Schule, sondern vor allem auch die Eltern haben zweifellos großen Einfluss auf Lebensstil und Gesundheitsverhalten ihrer Kinder. Sie sind einerseits das wichtigste Vorbild, andererseits selbst Zielgruppe für Gesundheitsförderung.

Veranstaltungshinweis für Eltern

Im Montessori-Zentrum Wien starten 2 Abendreihen speziell für Eltern! Jeder Abend widmet sich einem eigenen Thema, den gemeinsamen Hintergrund bildet die Montessori-Pädagogik. Es werden Hintergrundinformationen und Handlungsmöglichkeiten anhand praktischer Beispiele geboten. Zusätzlich gibt es ausreichend Zeit für Ihre Fragen und Wünsche.Jeder Abend ist einzeln buchbar!

ABENDREIHE ZUM THEMA KINDERERZIEHUNG:
Mittwoch, 23. November 2011: Warum Montessori?
Mittwoch, 18. Jänner 2012: Lob und Tadel
Mittwoch, 22. Februar 2012: Sag mir’s so, dass ich’s versteh!
Mittwoch, 21. März 2012: Sensorische Integration im Alltag
Mittwoch, 25. April 2012: Computer, Fernsehen & Co – Fluch oder Segen?

ABENDREIHE FÜR ELTERN VON SCHULKINDERN:
Dienstag, 29. November 2011: Kinder bei Hausübungen sinnvoll begleiten
Dienstag, 31. Jänner 2012: Ist mein Kind schulreif?
Dienstag, 6. März 2012: Montessori-Schule wozu?
Dienstag, 24. April 2012: Hilfe, ich bin meinem Kind plötzlich peinlich!
Dienstag, 22. Mai 2012: Rechtschreibung: Wann schreibt mein Kind endlich richtig?

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.montessori.at.

„Eltern können und müssen sich nicht einig sein“

Monika Sturmair, Gordon Familientrainerin, Beraterin und Coach“Duell” oder “Duett” – wie sieht das Miteinander von Eltern aus? - Wenn ein Paar ein Kind bekommt, dann kommen zur bisherigen Partnerrolle nun auch noch die Rolle als Vater beziehungsweise Mutter sowie die neue gemeinsame Rolle als Eltern hinzu. „Dies führt natürlich zu neuen Aspekten in der Kommunikation: Die Personen sprechen nicht mehr für sich allein, sondern auch für das Kind“, sagt Monika Sturmair, Familientrainerin, Beraterin und Referentin beim Jakoo-Familienkongress in Bad Ischl. 

Nun würden sich in der Paarkommunikation über das Kind beziehungsweise mit dem Kind die unterschiedlichen Werthaltungen zeigen. Sturmair findet es wichtig, dass das Bewusstsein für das Konfliktpotential da ist und beide Partner bereit sind, darüber zu reden.

Wir haben unterschiedliche Erziehungsstile und -vorstellungen. Wie sollen wir als Elternpaar gegenüber dem Kind auftreten? An welche Absprachen sollten wir denken?

Wesentlich ist, dass sich beide der Unterschiede bewusst sind. Es hilft auch das Wissen, dass gerade die Verschiedenheit in den Werten und im Erziehungsstil die Chance zur Weiterentwicklung bieten. Eltern können und müssen sich nicht einig sein, dies widerspricht einfach dem tatsächlichenLeben.

In kleinen Dingen ist eine Einigkeit des Elternpaars nicht notwendig. Zum Beispiel was die verschiedenen Anforderungen an das Kind beim Tisch abräumen betrifft. Es kann sein, dass es beim Papa das Geschirr nicht in den Geschirrspüler räumen muss, bei der Mama aber schon. Schwierig wird es natürlich, wenn ein Partner sich über das Verhalten des anderen ärgert. Dann ist eine gemeinsame Linie für das Kind hilfreich, damit es sich orientieren kann. Auseinandersetzungen sollten möglichst nicht vor dem Kind erfolgen, sondern Eltern sollten unter sich abklären, was für sie wichtig ist. Dabei sollte die Frage für Mutter und Vater geklärt werden: Was möchte ich, das mein Kind lernt?

Welche Werte will ich dem Kind mitgeben? Welche Bedürfnisse habe ich?

Welche Bedürfnisse hat das Kind? Eine gemeinsame Linie für die Erziehung hilft dem Kind in seiner Orientierung – wie zum Beispiel bei wichtigen Eckpunkten wie Fernsehdauer und Höhe des Taschengelds. Das Kind solltedas Gefühl haben: Meine Eltern haben sich zusammengesetzt und haben gemeinsam beschlossen.

Unsere Eltern mischen sich in unsere Erziehung ein. Wie gehe ich am besten damit um?

Großeltern haben eine völlig andere Rolle als Eltern. Sie müssen nicht erziehen – sie dürfen verwöhnen. Manchmal verbergen sich hinter der Einmischung in die Erziehung auch verdeckte Konflikte: Diese Konflikte werden dann über das Enkelkind ausgetragen. Beispielsweise besteht kein Vertrauen in die Fähigkeiten des Elternteils beziehungsweise werden die Qualitäten als Elternteil überprüft.

In allen Fällen ist Kommunikation wichtig. Es sollte auf jeden Fall geklärt werden: In welcher Form braucht man von einander Unterstützung? Bei welchen Punkten ist keine Einmischung erwünscht? Es sollte eine gemeinsame Linie zur Orientierung ausgehandelt werden. Eltern sollten selbstbewusst zu den eigenen Regeln stehen und deutlich zeigen, was sie wichtig für ihr Kind finden und was nicht. Nicht verunsichern lassen! Allerdings sehen Großeltern auch Sachen, die Eltern selbst nicht sehen. Deshalb sollten Eltern, die von ihren eigenen Eltern auf bestimmte Dinge hingewiesen werden, nicht sofort in den Widerstand gehen, sondern das Angesprochene als Chance für Verbesserungen sehen.

Mein Kind respektiert mich nicht und beschimpft mich. Wie soll ich mich verhalten?

Gerade Kinder sind auf Beziehung ausgerichtet und möchten es mit ihren Eltern gut haben. Sie wissen, dass Eltern die wichtigsten Menschen in ihrem Leben sind. Werden Eltern beziehungsweise wird ein Elternteil nicht respektiert, kann es daran liegen, dass sich die Mutter oder der Vater selbst nicht ernst nehmen. Es könnte dann sein, dass das Kind seine Eltern mit seinem respektlosen Verhalten auffordert, sich anders zu verhalten. Wesentlich zur Verhaltensänderung ist es also, die Ursachen für das Verhalten ihres Kindes herausfinden, zum Beispiel ob das Kind Grenzen oder eine andere Form der Kommunikation braucht.

Die Form der Kommunikation spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Erwachsenen sollten das Kind nicht einfach zurück beschimpfen, sondern die Gefühle beschreiben, die die Äußerungen des Kindes hervorrufen: „Du verletzt mich. Ich habe das Gefühl, dass … Ich habe keine Lust, mir das sagen zu lassen …“. Die Kommunikation mit dem Kind sollte immer wertschätzend sein.

Benötigt das Kind zusätzlich Grenzen, reicht die verbale Kommunikation allein nicht aus. Dann können Handlungen unterstützend wirken – zum Beispiel die Hnd des Kindes festhalten, wenn es zuschlagen will. Mein Kind hat offensichtlich Sorgen und Probleme – redet aber nicht mit mir darüber. Welche Vorgehensweise bietet sich an? Manchmal können Kinder über Sorgen und Problem nicht sprechen – sie haben oftmals keine Worte für die Dinge, die sie bewegen. Besonders wenn es sich um diffuse Gefühle handelt, ist es für das Kind schwierig sich auszudrücken. Deshalb ist es auch kontraproduktiv zu fragen: „Was ist los?“ Besser ist es, die Gefühle zu spiegeln: „Ich sehe, dass es Dir nicht gut geht. Du wirkst wütend/traurig.“ Aktives Zuhören hilft, damit das Kind anfängt sich zu öffnen und von selbst über seine Probleme spricht. Bei schwerwiegenden Problemen wie beispielsweise Mobbing sollten auf jeden Fall Experten hinzugezogen werden. Manchmal fällt es Kindern leichter mit anderen Personen zu sprechen, als mit Menschen, die ihnen nahe sind.

Zur Person: Monika Sturmair: Gordon Familientrainerin, Beraterin und Coach Monika Sturmair ist Mutter von vier erwachsenen Kindern. Seit 1998 begleitet sie Eltern in ihren Seminaren zum Thema Kommunikation und Konfliktlösung mit Kindern.

Österreicher hätten am liebsten drei oder mehr Kinder

Eine Umfrage unter den rund 550 Teilnehmern des 1. JAKO-O Familien-Kongresses in Österreich, der am 9. Oktober in Bad Ischl stattfand, hat ergeben, dass die Besucher am liebsten mindestens drei Kinder hätten – wenn sie könnten, wie sie wollten. „Die Geburtenrate in Österreich ist ebenso wie in Deutschland sehr niedrig. Wie schade – vor allem vor dem Hintergrund, dass sich viele mehr als drei Kinder wünschen. Wie schön wäre es, wenn Eltern ihre Familienträume verwirklichen könnten“, beurteilte Bettina Peetz, Geschäftsleitung JAKO-O, die Umfrage-Ergebnisse.

Im Jahr 2010 betrug die durchschnittliche Kinderzahl 1,44 Kinder pro Frau in Österreich.1 Seit Jahren bildet die Geburtenrate in Österreich europaweit gemeinsam mit Deutschland das Schlusslicht.2 Dabei sind die Österreicher gar keine Familienmuffel. Bei der Umfrage unter den 550 Besuchern des 1. JAKO-O Familien-Kongresses in Österreich zeigte sich: Wenn sie könnten, wie sie wollten, hätte über ein Drittel der Befragten (rund 38 Prozent) gern drei Kinder, ein Fünftel (rund 20 Prozent) vier Kinder und rund 9 Prozent sogar fünf oder mehr Kinder. Bettina Peetz: „Ständig beklagen wir uns über die niedrige Geburtenrate. Doch häufig sind es die Rahmenbedingungen, die es Eltern schwer machen, mehrere Kinder zu bekommen.“

So schätzt ein Drittel der befragten Personen Österreich als kinderunfreundlich ein: Sie nennen unter anderem die geringe finanzielle Unterstützung, die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine kinderfeindliche Gesellschaft. Über die Hälfte der Befragten empfindet Österreich als kinderfreundliches Land. Eine Mutter bemerkt: „Die soziale Absicherung stimmt und auch der Gratiskindergarten hilft mir sehr.“

Besucher vom 1. JAKO-O Familien-Kongress in Österreich begeistert

Nachdem Eltern und Interessierte die JAKO-O Familien-Kongresse zu Erziehung, Schule, Partnerschaft sowie Familien- und Bildungspolitik bereits seit 2003 fünfmal in Deutschland besuchen konnten, fand der Familien-Kongress in diesem Jahr zum ersten Mal im österreichischen Bad Ischl statt. 550 Eltern aus ganz Österreich und auch Deutschland verfolgten interessiert die insgesamt 19 Vorträge von 10 Fachreferenten. So umfasste das Themenspektrum neben Erziehung auch effektive Lernmethoden – damit Kinder erfolgreicher in der Schule sind und mehr Zeit zum Spielen haben. Mit handfesten Tipps informierten führende Experten zu relevanten Themen wie Familie, Elternschaft, Internet und Lerntechniken. Dabei sorgten besonders die Vorträge von Dr. Jan-Uwe Rogge und Sabine Bohlmann für tosenden Applaus. Durch Rogges Ausführungen zum Thema „Trotzalter“ fühlte sich so manches Elternteil in das heimische Kinderzimmer zurückversetzt, während Sabine Bohlmann in ihrem Vortrag „Erziehungstheater … Erziehung mit Spaß und Fantasie“ Eltern kreative und nützliche Erziehungstipps vermittelte. Die Besucher konnten dank der alltagsnahen Beispiele aller Referenten viel Neues mit nach Hause nehmen.

“Zurück zur echten Kindheit”

Die Kinder-Lobby freut sich: immer mehr Medien greifen unser zentrales Thema auf, den Kindern wieder eine echte, unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen - ohne Leistungsdruck und mit der Möglichkeit, sich altersgerecht zu entwickeln. Neben “Zeit”, Spiegel” und “Profil” positionieren auch die Oberrösterreichischen Nachrichten das Thema in all seinen Aspekten immer wieder prominent. Besonders erfreulich, wenn dabei die Mitglieder der Kinder-Lobby zu Wort kommen, wie im heutigen Beitrag zum Thema “Echte Kindheit durch weniger Leistungsdruck”.

http://www.nachrichten.at/ratgeber/familie/art124,740113