Bildungsrahmenplan für 5-jährige: Kinder gleichbügeln?

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo…

Wenn Bildungsrahmenpläne im Kindergarten auf Altersstufen verengt werden, kann die Botschaft fatal sein: Ein Plan für 5-6 jährige legt nahe, dass alle auf ein Leistungsziel vor Schuleintritt hingeführt werden sollen*.

Familienstaatsekretärin Christine Marek (ÖVP) hat nun einen Bildungsplan für die Fünfjährigen vorgelegt, der in den kommenden Tagen an die Länder verschickt wird.

Hard facts der Psychologie und Neurowissenschaften zeigen jedoch die große Entwicklungsbandbreite der Kinder vor dem 10. Lebensjahr auf. Da gibt es 4-jährige, die bereits lesen oder 6-jährige, die noch nicht zählen können. In diesem Alter darf es keinen Auftrag zu gleichen Anforderungen geben, warnt z. B. der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen.

Da brauchen wir Entwicklungsoffenheit: Sonst gehen frühe Begabungen verloren und Spätentwickler kommen unter enormen Druck.

Hier gibt es einen Auftrag an Eltern und PädagogInnen: beobachten, im Austausch bleiben und kindliche Entwicklung individuell begleiten und fördern.

Hier gibt es einen Auftrag an die Politik: Nicht planmäßig gleichbügeln sondern Eltern und Personal entwicklungspsychologisch schulen!

*Backgroundinfo: Ein Bildungsrahmenplan für den gesamten Kindergartenbereich wurde von allen Bundesländern im Vorjahr unterzeichnet (§ 15a Vereinbarung). Nun wurde ein Bildungsrahmenplan für ein Alterssegment herausgegeben: 5-6jährige
http://www.live-pr.com/bildungsplan-auch-unter-experten-innen-umstritten-r1048537096.htm

Der Bildungsplansoll laut Marek eine Anleitung für die Kindergarten-Pädagoginnen und -Pädagogen liefern, wie die Kinder im letzten Kindergartenjahr besser gefördert werden können. Die Kinder sollen bestmöglich für den Einstieg in die Volksschule vorbereitet, “die Kompetenzen der Kinder optimal gestärkt” werden. Die Kindergartenpädagoginnen sollten damit zusätzliche Instrumente für ihre Bildungsarbeit bekommen

Ausgearbeitet wurde der Bildungsplan vom Charlotte Bühler-Institut in Wien, das auf praxisorientierte Kleinkindforschung spezialisiert ist. Und das Institut hat sechs Bildungsbereiche für die Kinder definiert. Da geht es um die Förderung sozialer Beziehungen, um Werte und Regeln in der Gesellschaft, um die Sprache, um Bewegung und Gesundheit, um Ästhetik und um Natur und Technik. Zahlreiche praxisnahe Beispiele im Bildungsplan sollen den Pädagoginnen helfen, die Kinder in diesen Bereichen zu fördern.

Anleitung für den Alltag

Ein Beispiel Mareks für den Bereich “Natur und Technik”: Man möge im Alltag auf mathematische Aspekte achten, etwa beim Tischdecken, bei Mustern und Symmetrien auf Fassaden, oder “alle Möglichkeiten zum Zählen nützen im Alltag”. Dazu gehöre auch der Umgang mit Geld.

Verpflichtung der Bundesländer

Der Bildungsplan für das letzte Kindergartenjahr ist derzeit im Druck und wird noch im August in die Länder an die einzelnen Betreuungseinrichtungen verschickt. Ab Beginn des neuen Kindergartenjahres, wenn also auch die Kindergartenpflicht für alle Fünfjährigen in allen Bundesländern endgültig in Kraft tritt, muss der Bildungsplan angewendet werden. Dazu sind alle Länder gemäß der sogenannten 15a-Vereinbarung verpflichtet.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.