Fragwürdige Fussballwetten-Werbung

Michael Merl, Kinder-Lobbyist und Leiter der Abteilung für Kinder- u. Jugendpsychiatrie der Kinderklinik Linz, verurteilt Voodoo-Fussballwerbung und warnt vor dramatischen Konsequenzen für Kinder- und Jugendliche.

Prim. Dr. Michael Merl, Kinder- u. Jugendpsychiatrie LFKK Linz

Anlässlich der Euro 2012 werben Wettbüros um die Gunst risikofreudiger Wettspieler. Eines dieser Wettbüros verwendet dazu das Sujet von Voodoo-Puppen, in die der Fan in entscheidenden Situationen Nadeln sticht, um das Spiel zu beeinflussen. Das ganze soll natürlich lustig sein. Man muss sich fragen, wer sich derartiges ausdenkt. Und man muss sich fragen, wie würde es mir gehen, wenn ich erfahren würde, dass irgendjemand in eine Puppe, die symbolisch für mich steht, Nadeln sticht.

Kinder- und Jugendliche spielen die Welt der Erwachsenen oft nach. Aus solch einem Spiel mit Voodoo-Zauber kann da schnell eine Situation entstehen, in der sich ein Kinder oder Jugendlicher verletzt, ausgegrenzt und gemobbt fühlt. Derartiges kann bei den Betroffenen Depressionen, selbstverletzendes Verhalten, Minderwertigkeitsgefühle bis hin zu Selbstmordgedanken auslösen. Als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie erlebe ich das immer wieder. Wenn der Österreichische Werberat unter Ethik & Moral fordert, “Werbung hat die menschliche Würde und Unversehrtheit der Person zu achten und darf diese nicht verletzen” und “Leid, Unglück oder Todesfälle dürfen nicht für Werbezwecke missbraucht werden”, dann hat da jemand nicht genau hingesehen.

Derartige Werbesujets schaden darüber hinaus einer Branche, die ohnehin mit Seriositätsproblemen zu kämpfen hat. Originalität um jeden Preis … nein danke !”


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