Kostenfreie Therapien für Kinder- und Jugendliche

Prof.Dr. Klaus Schmitt, Leiter Landeskinderklinik OÖ

Es ist davon auszugehen, dass 10 – 15% unserer Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung eine therapeutische Unterstützung brauchen. Motorische und mentale Beeinträchtigungen müssen zeitgerecht erkannt werden. Bei entsprechender Frühförderung sind die Behandlungsergebnisse besser. Psychische Störungen und psychosoziale Störungen, Verhaltensauffälligkeiten und Integrationsprobleme gehören ebenfalls zeitgerecht und kompetent betreut. Unterbleibt eine notwendige Behandlung, beeinträchtigt dies die Entwicklungsmöglichkeiten der betroffenen Kinder und ist mit lebenslangen Benachteiligungen verbunden. Die Gesellschaft muss die lebenslangen Folgekosten tragen. Missbrauch und Verwahrlosung sind ein relativ häufiges Problem (siehe Beilagen), sodass der Therapiebedarf entsprechend groß ist.

Bedarf an Psycho-, Physio-, Ergotherapie und Logopädie

Für die Bedarfsschätzung werden Untersuchungsfrequenzen in Vorarlberg und in der Bundesrepublik Deutschland herangezogen. In Vorarlberg wird pro Therapieeinheit ein Selbstbehalt von 5,5 Euro mit Befreiungsmöglichkeit berechnet. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Therapien als Heilmttel definiert und kostenfrei. Das Angebot umfasst auch heilpädagogisches Reiten und psychologische Behandlungen.

Persönlicher Kommentar von Fr. Dr. Eva Mückstein, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes  für Psychotherapie

Wartezeiten  auf psychotherapeutische Kassenleistung 1 bis 1 ½ Jahre. Viele Anrufe in Wahlordinationen. Bei Kostendiskussion kommt häufig die Antwort der Eltern, dass sie sich eine Behandlung des Kindes nicht leisten können.

In Österreich erhalten 0,3% der kinder und Jugendlichen eine Psychotherapie. Im Erwachsenenalter sind es 0,5%

Persönlicher Kommentar Mag. Stefan Moritz, Geschäftsführer des Bundesverbandes der PhysiotherapeutInnen Österreichs,

In Wien haben nur 20 Prozent der PhysiotherapeutInnen einen Kassenvertrag. Davon sind nur wenige für das Kindesalter ausgebildet. In Vorarlberg und Kärnten ist die Situation besser.

Persönlicher Kommentar Fr. Mag. Barbara Pöschmann, Delegierte des Bundesverbandes der PhysiotherapeutInnen Österreichs und Mutter eines Kindes mit Beeinträchtigung.

Bei der Diagnose der Entwicklungsverzögerung bei ihrem Kind wurden ihr in allen Wiener Ambulatorien ein Therapiebeginn frühestens in einem Jahr in Aussicht gestellt. Gleichzeitige Mehrfachtherapien, obwohl sinnvoll, waren anfänglich nicht möglich.

Persönlicher Kommentar von Fr. Marion Hackl, Obfrau des Berufsverbandes Berufsverbandes der ErgotherapeutInnen

In ihrer ergotherapeutischen Kassenpraxis hatte sie Wartezeiten von über einem Jahr. Bundeskassen bezahlen besser, Gebietskrankenkassen der Bundesländer unterschiedlich. In der Regel schlecht, dass man damit nicht auskommen kann. In Niederösterreich gibt es keine gleichzeitigen Mehrfachtherapien. Werden nicht bewilligt.

Ingrid Haber, Präsidentin des Berufsverbandes Lögopädie Austria..

Die Bedarfserhebungen sind nicht verwertbar. Es gibt sie nur für den intrmuralen, nicht für den extramuralen  Bereich. Wartezeiten in einer Kassenordination betragen 1 -1 ½ Jahre. Sie kann es nicht verantworten, Patienten solange warten zu lassen. Daher hat sie derzeit einen Aufnahmestopp. WahllogopädInnen habe ähnliche Wartezeiten. Sie Familienverbände finanzieren oft gemeinsam die notwendigen Behandlungen. Es sind im Durchschnitt 20 – 30 Therapien notwendig. Bundeskassen refinanzieren mehr. Gebietskrankenkassen meist wenig.

Bisherige Aktivitäten

Die Arbeitsgruppe “Politische Kindermedizin“ hat sich dieses Themas angenommen. Es wurde erhoben, wie viele der TherapeutInnen Verträge mit den Krankenkassen haben (Physio-, Ergo- und Psychotherapie). Es sind viel zu wenig. Das Thema wurde im Gesundheitsausschuss im Parlament diskutiert. (Siehe Beilagen). Im Buch “Weggelegt“ das Thema angesprochen. Pressekonferenzen  wurde abgehalten.

Bisheriges Ergebnis

Es gibt Entschließungsanträge seitens politischer Mandatare (siehe Beilage). Eine Zweiklassenmedizin in Österreich wird seitens der verantwortlichen Politiker und Krankenkassen als nicht existent “verleugnet“. In diesem Bereich gibt es sie aber. Das heißt, Eltern, die sich den Aufpreis für notwendige Therapien leisten können, deren Kinder werden häufiger behandelt. Es sind aber oft Kinder aus sozial bedürftigen Schichten, die einer Behandlung bedürfen und deren Eltern das Geld nicht aufbringen können. Diese Kinder kommen dann nicht zur Behandlung, wenn es keinen Behandlungsplatz  in einer Kassenordination gibt. Oder es gibt sehr lange, nicht akzeptable Wartezeiten.

Noch offene Punkte

Es muss über Entschließungsanträge hinaus zu konkreten Gesprächen über die Notwendigkeit eines freien Zugangs für notwendige Therapien kommen. In Deutschland übernehmen Krankenkassen kostenfreie Behandlungen für Kinder. Ca. 17 Prozent der Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche. Sie verbrauchen 4 – 5 % unseres Gesundheitsbudgets. 

Vorschlag

Rasche Kontaktaufnahme mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder und Jugendheilkunde und Vertretern der Arbeitsgruppe politische Kindermedizin.

Beginn mit konkreten Verhandlungen.

Univ. Prof.Prim.Dr.Klaus Schmitt

Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde


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