Liebe und Zuwendung machen gross und stark und klug

Das Thema frühe Kindheit und wie wichtig ihr Verlauf für das gesamte spätere Leben ist findet immer häufiger und immer prominenter in den Medien Niederschlag. Jüngstes Beispiel: die letzte Ausgabe der Zeit. (siehe unten) Das ist gut so. Umso enttäuschender, trauriger und langfristig gesehen auch verantwortungslos jedoch das Verhalten in dieser Sache von Politik und Entscheidungsträgern. Seit Jahren etwa verhallt der Ruf von kompetenter Seite nach funktionierender Elternbildung, zum Beispiel nach Vorbild des Mutter-Kind-Passes.

»Alle Bildungsprozesse der Grundschule, der Jugend, des Lebens«, so schreibt es der Erziehungswissenschaftler Jörg Ramseger von der FU Berlin in einem Thesenpapier für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, »wurzeln in den Bildungsprozessen der frühen Kindheit.« Der benachteiligte Dreijährige ist schon im Kindergarten im Verzug, erst recht mit sechs in der Grundschule. Das Problem beginnt bereits in der ersten Lebenswoche und wächst im ersten Monat, im ersten Jahr. Nicht, weil das Kind arm ist, sondern weil seine Eltern sich ihm nicht zuwenden. Sie sprechen und singen nicht mit ihm, sie reimen und lachen nicht mit ihm. Sie wissen oft nicht, wie man Nähe zum Kind herstellt, weil sie selbst als Kind keine Nähe erfahren haben.

Von der Geburt an wächst der Abstand zwischen den Kindern

Benachteiligte Kinder sitzen oder liegen stattdessen schon früh vor dem Fernseher. Nur: Der Fernseher umarmt nicht, verstrickt nicht in Rede und Widerrede. Kinder, mit denen nicht gesprochen wird, lernen auch nicht, ordentlich zu sprechen. Kinder, deren Fragen nicht beantwortet werden, hören auf, Fragen zu stellen. Wem nicht vorgelesen wird, der wird viel schlechter lesen lernen.

Kleine Kinder sind sehr viel klüger, als wir vor zwanzig, dreißig Jahren noch für möglich gehalten haben. Die amerikanische Baby-Forscherin Alison Gopnik hat mit ihren Büchern Forschergeist in Windeln, erschienen 1999, und Kleine Philosophen (2009), viel zur Erhellung der kleinkindlichen Fähigkeiten beigetragen. Kinder sind Forscher, Beobachter, Zuhörer, Nachahmer und Denker.

http://www.zeit.de/2012/05/C-Frueherziehung


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