“Natur-Entzug schadet Leib und Seele”

Kinder brauchen die Natur für eine gesunde Entwicklung. Andreas Weber hat sich in der Zeitschrift GEO ausgiebig und mitreißend mit dem Thema “Kindheit heute” und den damit zusammenhängenden Negativ-Auswüchsen beschäftigt. Einige Auszüge:

“Es scheint, dass wir Erwachsenen vor lauter gutem Willen das Ziel unserer Erziehung aus den Augen verlieren. Brutal formuliert, quälen wir unsere Kinder, eingesperrt auf den Rücksitzen rundum mit Airbags gepolsterter SUV, schon vom Kindergarten an durch immer strenger getaktete Leistungsinstitutionen, um sie fit zu machen für das Leben. Dabei nehmen wir ihnen gerade die Möglichkeit zu erfahren, was das ist: Leben. Wir stehlen ihnen die Lebendigkeit. Viele Kognitionsforscher halten das für eine zentrale Ursache in der Misere der Kinder und Jugendlichen.”

“Und wo unter dem Diktat beschleunigter Leistung Kinder zu „Projekten“ werden, unterliegen deren Tätigkeiten automatisch einer immer stärkeren Priorisierung: Draußen zu spielen gilt als verzichtbar, nicht relevant, elterliche Zeit und Zuwendung werden nach dem Motto „Sicher, gleich, Liebling“ verschoben. Dazu kommt: Zeitfressende Elektronik, Spielkonsolen und Handys kann sich inzwischen jeder leisten.

Das Unvorhersehbare, das Kinder beim Spiel im Freien fasziniert, kommt zu kurz

Neue Situationen zu bewältigen, gewährt Autonomie – und somit die Reifung zur eigenständigen Persönlichkeit. Viele Eltern verplanen stattdessen mit besten Vorsätzen die Zeit ihrer Kinder, finanzieren Cellostunden, einen Judokurs, Fechten auf Englisch, Nachhilfe von Muttersprachlern. Diese Enhancer sollen dem Nachwuchs einen Platz im ersten Rang der Welt-Wettbewerbsgesellschaft garantieren. Zu viel Kontakt mit der Wirklichkeit, der auch Scheitern und Schmerz beinhalten kann, würde diese durchorganisierte Matrix zusammenbrechen lassen. Also geht man Erfahrungen mit Wildheit und Wildnis besser aus dem Weg, versperrt klassische kindliche Erfahrungsräume.

Von 1000 in Großbritannien befragten Sieben- bis Zwölfjährigen antworteten mehr als 50 Prozent, dass es ihnen verboten ist, ohne Aufsicht auf einen Baum zu klettern oder im Park um die Ecke zu spielen. – Wie viele Kinder ohne Aufsicht im Internet surfen dürfen, erfragte die Studie nicht.

Der gesamte Bericht ist nachzulesen unter http://www.geo.de/GEO/mensch/64781.html?p=1


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