Planen mit und für die Jugend

Wenn öffentliche Bauten wie Sporthallen, Bäder, Veranstaltungszentren und Ähnliches geplant oder renoviert werden, stehen in Österreich meist die Überlegungen von Kommunalpolitikern, Vereinsobmännern oder Vertretern sonstiger Interessen im Vordergrund. Was der Bau für Kinder und Jugendliche bedeutet und ob er ihren Bedürfnissen nach Bewegung und sozialer Interaktion entgegenkommt, ist sekundär.

Aus Deutschland kommt der Begriff der nachhaltigen und kooperativen Planung öffentlicher Einrichtungen. Schon im Vorfeld bzw. während der Planung sollten Experten miteinbezogen werden, die eine umfassende Sicht auf das Projekt haben und entsprechende Aspekte einbringen. Dann könnten zum Beispiel nicht Dinge passieren wie in Braunau am Inn, wo die beliebte Ballspiel- und Freizeitwiese im Freibad einem nicht wirklich nötigen Parkplatz weichen musste. Oder die letzte Schlittenwiese der Gemeinde vom Bürgermeister in Baugrund umgewidmet wird. Wenn die Vergabe öffentlicher Fördergelder an die Einhaltung kooperativer Planungsrichtlinien gekoppelt würde, könnte die Politik einen griffigen Lenkungseffekt erzielen.

Zur Zeit ist die Renovierung des Hallenbades Ried im Innkreis im Gange. Auch hier wird hitzig diskutiert, wie intelligent umgebaut werden kann. Kinder-Lobbyist und Allgemeinmediziner Dr. Kurt Roitner mit einem Statement:

Kooperative Planung – Gelebte Demokratie

Am Beispiel des Rieder Hallenbades lässt sich sehr schön demonstrieren, wie eine demokratische Kultur gelebt werden kann – oder auch nicht.

Traditionell wird ein auftretendes Problem behandelt, indem die betroffene Abteilung innerhalb des Amtes die Grundlagen bereitstellt und die zuständigen politischen Gremien – Ausschuss, Stadtrat und schließlich Gemeinderat – Lösungsvorschläge erarbeiten und beschließen. Dabei kommt es selten zu einer Befragung oder gar Beteiligung der Bevölkerung. Politik ist ja auch dazu da, Entscheidungen zu treffen.

Der Sport aber ist einer von mehreren Bereichen, in denen die BürgerInnen besonders dringend eingebunden gehören. Das sollte frühzeitig passieren. Denn die Vorgaben (u. a. Schwimmbetrieb auf drei Bahnen) festzulegen, ohne dass der wirkliche Bedarf erhoben wurde, zeugt von einer gewissen Kurzsichtigkeit. Aber noch ist Zeit, die Planung auf solide Grundlagen zu stellen. Das neue Hallenbad sollte so konzipiert werden, dass es von möglichst vielen Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen bestens genutzt wird.

Warum kooperative Planung?

Die Einbindung von Bildungseinrichtungen, Kinder- und Jugendbetreuung, Vereinen und der Interessierten aus der ganzen Region – schließlich hat das Hallenbad Bedeutung, die sogar über den Bezirk hinausgeht – kann Planungsfehler verhindern und führt zu einer hohen Identifikation mit einem daraus entstehenden Projekt. Je mehr Menschen spüren, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden, um so mehr werden sagen: ‘Das ist UNSER Hallenbad! Da gehen wir hin!’

Gleichzeitig sollte auch der gesundheitlich präventive und therapeutische Bereich berücksichtigt werden. Hier könnten Win-Win-Situationen durch die Zusammenarbeit mit privaten Partnern entstehen. Gerade der verstärkte Trend zu mehr Prävention und Gesunderhaltung sollte die Beratung durch Sportmediziner selbstverständlich erscheinen lassen.

Ich weise mit diesen Vorschlägen darauf hin, dass die aktive Beteiligung aller Interessierten zwar Zeit und Aufwand bedeutet, aber letztlich ein geliebtes, gut genutztes Hallenbad entstehen lässt. Es sollte hier nicht auf ein paar Monate ankommen, wenn bessere, zukunftsfähigere Lösungen gefunden werden können – auch wenn nachvollziehbar ist, dass der jetzt kolportierte frühestmögliche Fertigstellungstermin Ende 2015 für manche schon eine Zumutung darstellt.

Initiative in Ried

Sofort nach der Bekanntgabe der bevorstehenden Schließung haben sich Hallenbad- und SaunanutzerInnen vernetzt und sich für den Weiterbestand eingesetzt. Unterschriften wurden gesammelt, LeserInnenbriefe geschrieben, das Gespräch mit der Politik gesucht und geführt. Solches Engagement bedeutet schon ein großes Potenzial für einen kooperativen Planungsprozess. Auch wenn allen Beteiligten klar ist, dass die Finanzierbarkeit Abstriche erfordert.

Der Vorschlag

Eine Investition in eine kooperative Planung ist sehr sinnvoll eingesetztes Geld. Sie kann helfen, Fehlinvestitionen zu vermeiden und die Attraktivität des Rieder Hallenbades – und alles was noch dazugehört – über Jahrzehnte hinaus zu steigern. Der Prozess muss professionell moderiert werden, aber die Forderung lautet: Lassen wir die Leute mitreden!

Dazu ein interessanter Link: www.kooperative-planung.de


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