“Ritalin ist keine Lösung” – Aspekte zu ADHS

Der amerikanische Psychiater Leon Eisenberg hatte in den späten sechziger Jahren dafür gesorgt, dass die „Zappeligkeit und Konzentrationsschwäche, die er bei einigen Kindern feststellte, unter dem Namen ADHS als psychische Erkrankung klassifiziert wurde. Doch als die ADHS-Diagnosen wucherten und die Ritalin-Verschreibungen explodierten, kamen ihm Zweifel. Vierzig Jahre später, kurz vor seinem Tod, gestand Eisenberg dem Wissenschaftsjournalisten Jörg Blech, dass er nicht mehr an ADHS glaubt. ADHS, sagte er, sei „ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“.

Mehr als eine halbe Million Kinder in Deutschland leidet unter Hyperaktivität – davon etwa achtzig Prozent Jungen. Viele von ihnen bekommen Ritalin, ein Psychopharmakon, das wegen seines Suchtpotenzials unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Die Nebenwirkungen von Ritalin sind fatal. Sie reichen von Schlafstörungen über Appetitlosigkeit bis zu Depressionen und können sogar zu einer Behinderung des Körper- und Gehirnwachstums führen. Ritalin – eine Pille gegen eine erfundene Krankheit, gegen die Krankheit, ein schwieriger Junge zu sein.

Die “Lernwelt Österreich” widmet dem Thema ADHS und Ritalin den Monatsschwerpunkt im Juni. Mehr Infos und Aspekte dazu unter http://www.lernwelt.at/service/themadesmonats/thema-des-monats-juni-2012/index.html

Leseprobe: “Wenn das, was wir bisher zusammengetragen haben stimmt und das dopaminerge System bei ADHS-Kindern nicht, wie bisher vermutet, unzureichend, sondern womöglich sogar übermäßig stark entwickelt ist – und deshalb im Gehirn dieser Kinder nicht zu wenig, sondern zu viel Dopamin ausgeschüttet wird –, so wäre die Dopamin-Mangel-Hypothese damit eigentlich auf den Kopf gestellt. Ein “Dopamindefizit” im Gehirn dieser Kinder war ja ursprünglich nur deshalb vermutet worden, weil die Verabreichung von Ritalin® und anderer zur Behandlung von ADHS eingesetzter Medikamente aus der Gruppe der Amphetamine zu einer verstärkten Freisetzung von Dopamin aus den dopaminergen Nervenenden und zur Hemmung seiner Wiederaufnahme führt.”


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