„Überbehütung ist seelische Gewalt“

Das Urteil gegen einen Kindergarten wegen Verletzung der Aufsichtspflicht hat viel Staub aufgewirbelt. Wie viel Behütung braucht ein Kind und wie viel schadet? Psychologin Karin Kaiser-Rottensteiner warnt vor Überbehütung, diese würde zunehmen.Ein Klagenfurter Kindergarten war zu einer Zahlung von 9.600 Euro verurteilt worden, weil sich ein Mädchen beim Spielen im Garten den Arm gebrochen hatte – mehr dazu in Kind verletzt – Kindergarten verurteilt (kaernten.ORF.at, 18.3.2012). Nicht nur seit dem Urteil gegen den Klagenfurter Kindergarten fragen sich viele Eltern, aber auch Pädagoginnen, wie weit Aufsicht und das Beschützen von Kindern gehen kann und muss.

Der Drang, beim Nachwuchs alles perfekt zu machen, führt mitunter eher zum Gegenteil, sagt Kaiser-Rottensteiner. Überbehütung von Kindern nehme zu, Kinder könnten sich aber „unter einer Glasglocke“ nicht entwickeln: „Bewegung ist Lernen, und Spielen ist Lernen.“

„Freiräume stärken Selbstverantwortung“

Für Eltern ist es nicht einfach, den Grat zwischen notwendiger Aufsicht, Schutz vor Gefahren und Überbehütung zu finden. Frei- und Spielräume seien für die Entwicklung von Kindern ganz entscheidend. Kaiser-Rottensteiner: „Überbehütung ist eine Einschränkung, das Kind kann sich schlechter entwickeln. Man könnte auch sagen, Überbehütung ist eine Form von seelischer Gewalt.“ Deswegen solle man Kinder nicht beim Spielen stören.

Auf einen Baum klettern, in der freien Natur spielen – solche Sinnes- und Bewegungserfahrungen würden Kinder geschickter machen und somit besser für Unfälle wappnen. Sie seien auch eine Vorbereitung auf die Schule, so Kaiser-Rottensteiner. Freiräume würden die Selbstverantwortung schulen, das stärke auch das Selbstwertgefühl.

http://kaernten.orf.at/radio/stories/2526418

und passend zu dem Thema ein Veranstaltungstipp:

„Denn mein Leben ist Lernen“ – Vortrag von André Stern 

Termin: Donnerstag, 24. Mai 2012 | ab 17:15 Registrierung | 18:00 Vortrag
Anschließend steht André Stern dem Publikum für Fragen zur Verfügung.
Ort: Museum Arbeitswelt, Wehrgrabengasse 7, 4400 Steyr

http://www.sinn-stiftung.eu/service/tagungen–kongresse/denn-mein-leben-ist-lernen.html

In seinem Vortrag erzählt André Stern, Autor des Buches: „… und ich war nie in der Schule“, kurzweilig und lebendig vom Reichtum seines kindlichen Alltags ohne Stress und Leistungsdruck. Er berichtet, wie er schon mit drei Jahren lesen lernte und warum es in Ordnung war, dass er es erst mit acht richtig konnte. Er erzählt, welche Offenbarung
die Kreiszahl Pi für die Konstruktion seiner Lego-Bagger war, wie das Werk von Marcel Proust seinen Charakter formte und wie sich Informatik und die Musik in seinem Kopf anfühlen.


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