Warum Eltern ihre Kinder toben lassen sollten

In Watte gepackten Kindern hingegen, über denen ständig die Eltern wie Helikopter kreisen – keine Minute ohne Aufsicht, jedes noch so kleine “Gefahrenmoment” ausschaltend -, fehlen solche entscheidenden Erfahrungen. Wie der Kleinen, der ich vor einiger Zeit beim Balancieren auf einer Mauer zugesehen habe: Behutsam, bedächtig setzt sie einen Fuß vor den anderen. Sie ist nicht besonders schnell für ihr Alter – vielleicht fehlt die Übung -, doch jetzt ist sie dabei, konzentriert, bestimmt. Bis die Mutter das sieht. “Pass auf!”, überschlägt sich die Stimme. Das Kind erstarrt. Die Knie geben nach, es kann keinen Schritt mehr machen. In seinem Gesicht ist jetzt Angst – die Angst der Mutter, die herbeieilt und der Tochter die Hand zur Rettung reicht.

Hatte das Eingreifen irgendeinen positiven Effekt? Maximal wurde eine Schramme verhindert, wenn überhaupt: Das Mädchen hatte sich ja seinen Fähigkeiten gemäß bewegt. Dafür konnte es seine Koordination nicht verbessern, hatte kein Erfolgserlebnis, konnte nicht selbstbestimmt die Angst überwinden (wird sich also weiter fürchten und dem eigenen Urteil nicht trauen). Und: Der mütterliche Alarm, wohl nicht der einzige dieser Art, zementiert die Welt als Ort von Gefahren, die das Kind allein nicht bewältigen kann.

Der gesamte Bericht auf Spiegel.de:

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/erziehung-warum-eltern-ihre-kinder-toben-lassen-sollten-a-836706-3.html


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